Wir kommen auf die Carretera Austral und folgen ihr noch bis Cochrane. Mit dem Bau der Carretera Austral wurde 1976 begonnen. Die Straße gilt als chilenisches Jahrhundertwerk, weil durch sie eine Region erschlossen wurde, die bis dahin kaum besiedelt und nur per Flugzeug oder Schiff erreichbar war. Inzwischen führt die Piste bereits bis Villa O’Higgins, 150 km südöstlich von Cochrane. Doch wir folgen ihr in Richtung Norden. Die Landschaft ist noch relativ ursprünglich, die Wälder sind trotz einiger Kahlschläge einigermaßen erhalten geblieben. Es gibt kaum Orte, dafür umso mehr Seen und Flüsse.

Ab Villa Cerro Castillo beginnt für uns völlig überraschend bereits die Teerstraße, auf unserer Straßenkarte ist sie noch nicht soweit eingezeichnet. Dadurch kommen wir zwar jetzt schneller voran, gleichzeitig merken wir auch, dass die Erschließung des Landes zunimmt und links und rechts der Straße alles eingezäunt ist.

Obwohl nicht geplant, fahren wir durch bis Coihaique und treffen gleich am Stadtrand auf Tigo und Armin, die wir auf Feuerland kennengelernt haben. Sie erzählen uns von einem nationalen Tanzwettbewerb, der an dem Abend stattfindet und bei dem aus jeder Region Chiles – insgesamt gibt es zwölf – ein Paar da ist, um beim Volkstanz “Cueca” gegeneinander anzutreten. Wir beschließen, dass wir uns das zu viert anschauen wollen. Die Frauen tragen altmodisch wirkende, geblümte Kleider mit vielen Unterröcken darunter, die Männer kniehohe Stiefel mit Sporen, einen dezent gestreiften kurzen Umhang und einen breitrandigen Hut. Mit einer – für südamerikanische Verhältnisse kurzen – halbstündigen Verspätung beginnt das Ganze um halb zehn und zieht sich bis um zwei Uhr morgens hin. Eigentlich sind wir alle müde, doch wir wollen wissen, wer das Gewinnerpaar ist und halten deshalb durch. Zum Übernachten fahren wir an den Fluß, der am Ortsrand vorbeifließt und schlafen bis in den späten Vormittag hinein.

In Coihaique bleiben wir dann noch einen weiteren Tag, weil sich hier eine gute Gelegenheit für Klaus ergibt, um den fälligen Kundendienst am Unimog zu erledigen.
Rund 200 km nördlich befindet sich der Queulat-Nationalpark. Bereits auf dem Weg dahin fühlen wir uns in den Urwald versetzt aufgrund der üppigen grünen Vegetation. Besonders auffallend sind die Blätter der Nalcas, einem rhabarberähnlichen Gewächs. Wir messen einige aus und kommen auf einen Durchmesser von bis zu 2 Metern. Bei dem ganzen Gebiet handelt es sich um kalten Regenwald und er macht seinem Namen alle Ehre. Das Wetter wechselt zwischen Nieselregen und Regengüssen ab, dazwischen hängen dicke Wolken und verdecken die Sicht auf die Berge. Es ist keine Besserung in Sicht und bei Futaleufu fahren wir wieder nach Argentinien.

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