Weltreise Etappe Nahost-Arabien – Vorschau – Syrien

Auf das Chaos das uns hier erwartet, sind wir überhaupt nicht vorbereitet. Wir stehen mehrspurig im Stau zwischen unzähligen türkischen Minibussen und Pkws. Dazwischen eilen Grenzbeamte hin und her, setzen sich in die jeweiligen Fahrzeuge, kontrollieren anscheinend die Papiere, fahren ein Stück mit, springen wieder heraus und setzen sich dann in das nächste Fahrzeug. Nur zu uns kommt niemand. Wir werden immer weiter gewunken.

Endlich sind wir am Grenzgebäude selbst angekommen, suchen uns einen Parkplatz und wollen die Einreiseprozedur machen.

Auch in dem Gebäude herrscht Chaos, die Leute stauen sich vor den verschiedenen Schaltern und wir wissen erst gar nicht, wo wir anfangen sollen.

Glücklicherweise ist an einer Wand in englisch angeschrieben, was zu machen ist.

Doch was so einfach klingt, geht in dem Gedränge der Männer einfach unter. Später erfahren wir, dass die Türken während des Opferfestes kein Visum für einen Syrienbesuch brauchen und deshalb problemlos die Grenze überqueren können. Das nutzen natürlich viele aus für Besuche und vor allem für Einkäufe. Viele Waren sind in Syrien billiger und die Türken fahren zum Einkaufen nach Aleppo, das gerade mal 50 km von der Grenze entfernt ist.

Wir haben also einen denkbar schlechten Tag für den Grenzübertritt ausgesucht. Aber das hatten wir ja vorher nicht gewusst. Und so sind Geduld und gleichzeitig Hartnäckigkeit gefragt, als wir uns an den einzelnen Schaltern gegen die drängenden Männer behaupten müssen.

Beim Bankschalter müssen wir die erforderlichen Dollarbeträge in Syrische Pfund umwechseln: 100 USD Dieselsteuer pro Woche, 55 USD Versicherung für 4 Wochen, 9 USD Straßenbenutzungsgebühr. Mit dem Geld gehen wir dann zu den anderen Schaltern, wo das Carnet de Passage abgestempelt wird und wo wir die Versicherung bekommen.

Dann brauchen wir noch einen Einreistestempel in den Pass. Das ist kostenlos und geht schnell, weil wir ein Visum haben. Insgesamt sind wir etwa 2 Stunden beschäftigt.

Zwischendurch treffen wir ein englisches Pärchen, das uns erzählt, sie wären bereits seit 8 Uhr morgens in dem Chaos. Erst draußen im Stau, danach an den Schaltern. Inzwischen ist es halb fünf nachmittags und sie sind endlich fertig. Da sind wir glücklich, dass wir es in so kurzer Zeit geschafft haben.

An ein Weiterfahren ist allerdings nicht mehr zu denken, denn als wir um fünf Uhr wieder aus dem Gebäude kommen, ist es bereits dunkel. Außerdem steht uns noch die Zollkontrolle bevor. Doch die fällt aus. Die Männer schauen sich unsere Papiere an und winken uns dann einfach durch. Vielleicht haben sie einfach keine Lust mehr, bei dem stetigen Strom an Fahrzeugen, der heute den ganzen Tag an ihnen vorbeigefahren ist. Wir übernachten gleich auf dem großen Parkplatz bei den Lkws.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien

Hier in Syrien macht das Tanken dann endlich wieder Spaß. Der Liter Diesel kostet umgerechnet ca. 32 Cent. Eine richtige Erleichterung nach den hohen Preisen in den vorangegangenen Ländern.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien
Weltreise Etappe Nahost-Arabien

Als erstes besuchen wir das Simeonskloster. Der Heilige Simeon soll hier die letzten 30 Jahre seines Lebens auf einer Säule mit einer 4 qm großen Plattform gelebt haben. Um diese Säule herum ist nach seinem Tod eine Kirchenanlage entstanden. Die Ruinen kann man jetzt besichtigen.

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Danach wollen wir ein paar Tage in Aleppo bleiben. Außerhalb der Stadt gibt es zwei Campingplätze und wir fahren zu dem Platz, den eine Belgierin mit ihrem syrischen Mann betreibt. Das wird unser Stützpunkt, denn von hier aus kommen wir innerhalb einer halben Stunde mit einem Minibus problemlos direkt in die Innenstadt und wieder zurück. Die Busstation ist in der Nähe des Bab Antakya, dem Eingangstor in den berühmten Suk.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien
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Gleich mehrere Tage verbringen wir mit Spaziergängen in den engen, schmalen Gassen und schauen uns die faszinierenden Auslagen und Angebote an. So stellt man sich einen orientalischen Markt vor, mit unglaublichen Farben, fremdartigen Gewürzen, leckeren Süßigkeiten.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien
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Wir besichtigen auch die Zitadelle, von wo aus wir einen guten Überblick über Aleppo haben. Die Stadt erstreckt sich weit in alle Richtungen.

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Leider können wir uns nicht so viel Zeit lassen, wie wir gerne wollen. Unser Syrien-Visum ist auf 14 Tage beschränkt und wir wollen noch mehr vom Land sehen. Aber wir sind sicher, dass wir auf der Rückreise noch mal ein paar Tage in Aleppo bleiben werden. Uns gefällt die Atmosphäre in der Stadt und die Menschen selbst sind sehr freundlich, höflich und überaus hilfsbereit.

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Unser nächstes Ziel ist Palmyra, das angeblich “schönste Ruinenfeld Syriens”. Wir waren hier schon einmal, vor 21 Jahren.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien
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Weltreise Etappe Nahost-Arabien
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Das ist natürlich lange her und wir haben die Ausgrabungsstätte längst nicht so groß in Erinnerung. Auch hier könnte man viel länger bleiben, um sich die Ruinen, Gräber und Tempelreste ausführlich anzusehen, doch vorerst belassen wir es bei zwei Tagen.

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Auf dem Weg nach Damaskus sehen wir immer wieder Schilder, die an die Grenznähe zum Irak erinnern.

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Wir sind auf der so genannten Baghdad-Route unterwegs, der Verbindung von Damaskus in die irakische Hauptstadt. Und ein Stopp im Baghdad-Cafe gehört dazu. Der Besitzer hat es vor 14 Jahren eröffnet und seitdem stoppen hier unzählige Reisende und Gruppen.

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Wir trinken Tee und genießen die Ruhe.

Wenige Stunden später sind wir in Damaskus. Obwohl wir mehrmals gehört haben, dass der Campingplatz etwas schwierig zu finden sei, kommen wir problemlos hin. Die Betreiber haben bereits kurz nach der Autobahn Hinweisschilder aufgestellt und die Menschen auf der Straße winken schon in die Richtung, in die wir fahren sollen. Trotz allem sind wir fast unsicher, ob wir richtig sind, denn das Viertel, in dem der Platz liegt, sieht so heruntergekommen und verwahrlost aus, dass wir wirklich nicht glauben können, hier richtig zu sein. Doch unser GPS weist eindeutig in die Richtung.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien
Weltreise Etappe Nahost-Arabien

Bei der Fahrt durch Syrien kann einem der überall gegenwärtige Müll und Dreck einfach nicht entgehen. Wir sind sicher einiges gewohnt, haben schon viel gesehen, aber dieses Viertel setzt noch einiges drauf. Vor dem Tor des Campingplatzes werden wir dann noch von einer Schar kleiner Jungen umringt, die lauthals schreien. Als der Besitzer das Tor öffnet, beschimpft er sie, vertreibt sie und entschuldigt sich dann hinterher für die Belästigung.

Der Platz selbst ist nicht schlecht, es gibt heiße Duschen und außerdem ist es ruhig. Dafür bezahlen wir aber auch 900 SYP, umgerechnet 14 Euro. Für syrische Verhältnisse ein stolzer Preis.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien

In Damaskus gehen wir natürlich wieder in den Suk. Es sieht hier ganz anders aus als in Aleppo. Besonders gut gefällt uns die Gasse mit den Süßigkeiten, ein richtiges Paradies für jeden, der Süßes mag. Wie auch in Aleppo stellen wir fest, dass das Essen in Syrien einfach lecker ist. Vor allem die Gebäcksorten haben es uns angetan und wir probieren aus, was es hier so gibt.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien
Weltreise Etappe Nahost-Arabien

Natürlich gehört auch ein Besuch der Umayyaden-Moschee dazu. Bereits vor dem Eingang fallen uns Dutzende von Pilgergruppen auf. Wir erfahren, dass die meisten aus dem Iran kommen, manche aus Russland, andere aus Aserbeidschan. Für sie ist die Moschee ein wichtiges Heiligtum und Pilgerziel. Hier sollen angeblich die Gebeine von Johannes dem Täufer liegen. Sie waren mit ein Grund, warum 2001 der damalige Papst, Johannes Paul II. als erstes christliches Oberhaupt ein muslimisches Gotteshaus betreten hat. Er wollte diese Gebeine besuchen. Johannes der Täufer ist sowohl in der christlichen als auch der muslimischen Religion ein Heiliger.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien - Sonja Nertinger
Weltreise Etappe Nahost-Arabien - Sonja Nertinger

Frauen müssen für den Besuch der Moschee einen mantelartigen Umhang mit Kapuze anziehen. Selbst einheimische Frauen sehen wir damit, lediglich die Pilgergruppen sind davon ausgenommen.

Weltreise Etappe Nahost-Arabien
Weltreise Etappe Nahost-Arabien

Von Damaskus fahren wir auf direktem Weg zur syrisch-jordanischen Grenze. Bei der Ausreise haben wir Glück. Wir schaffen es gerade noch, einen Ausreisestempel in unseren Pass zu bekommen, bevor Reisende aus vier saudi-arabischen Bussen sozusagen das Gebäude überschwemmen und alle Schalter belegen. Das Carnet ist bereits gestempelt und eine Fahrzeugkontrolle findet nicht statt. So schnell wie möglich fahren wir nach Jordanien, um den Gruppen zuvorzukommen.

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