Landkarte Türkei
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Der Grenzübertritt in die Türkei ist in 15 Minuten erledigt. Uns werden an verschiedenen Stellen Papiere ausgehändigt, an anderen wieder abgenommen und nachdem wir 14,– DM bezahlt haben und der “Chef” seine Stempel verteilt hat, sind wir fertig. In der Zwischenzeit haben die beiden Banken ihre Mittagspause beendet und wir können noch Geld tauschen, bevor wir bis Istanbul durchfahren.

Je näher wir der Stadt kommen, umso dichter wird der Verkehr. Wir sind auf der Küstenstraße unterwegs und können nur mehr anhand der Ortschilder unterscheiden, dass eine Ortschaft aufhört und die nächste beginnt. Wir sind froh, als wir den Campingplatz finden, der ca. 10 km vom Zentrum entfernt ist. So müssen wir uns nicht mehr weiter in dem Gewühl voranschieben.

Für die Besichtigungen in der Innenstadt werden wir auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen. Gleich vor dem Campingplatz gibt es eine Bushaltestelle, von wo aus wir mit dem Minibus bis zum Bushalteplatz an der Stadtmauer fahren. Von dort aus nehmen wir die Metro, die an den wichtigen touristischen Sehenswürdigkeiten wie dem Großen Bazar oder der Blauen Moschee hält.

Vor gut 15 Jahren sind wir schon einmal in Istanbul gewesen und wir haben sehr positive Erinnerungen daran. Doch seitdem hat sich einiges getan. Überall gibt es Neubauten und die alten Häuser werden renoviert. Auch kommt es uns so vor, als ob das Verkehrsaufkommen ziemlich zugenommen hat.

Der Minibus quält sich über die sechsspurige Straße in Richtung Innenstadt. Wir sind froh, als wir zur Metro wechseln können, denn sie hat eine eigene Schienentrasse und so entgehen wir dem Stau. Nicht entgehen können wir den Abgasen und dem Smog, der über der Stadt liegt.

Für den ersten Tag haben wir uns nichts weiter vorgenommen. Wir wollen uns erst einmal orientieren und lassen uns einfach so durch die Straßen treiben. Es ist Sonntag und der Große Bazar geschlossen, doch drumherum ist lebhaftes Treiben. Hinter der Beyazit Moschee gibt es eine Art Flohmarkt, wo vor allem Handys der absolute Renner sind.
Wir gehen weiter in Richtung Blaue Moschee und Hagia Sophia. Für diesen Tag begnügen wir uns mit einem kurzen Blick darauf und schlendern dann durch den Gülhane Park zum Bosporus. Wir kommen am Sirkeci-Bahnhof vorbei, der früher einmal die Endstation des Orientexpresses war. Von hier aus ist ist nicht mehr weit zur Yeni-Moschee, vor deren Eingang unzählige Tauben auf den Treppen herumspazieren. Davor sitzen Verkäufer mit Getreide und besonders für die Kinder ist es ein Riesenvergnügen, erst die Tauben zu füttern und sie dann aufzuscheuchen.

Auf der Galatabrücke stehen dicht an dicht unzählige Angler. Laut Reiseführer kann man in kleinen Lokalen sehr gut Fisch essen. Doch als wir bei einem Gang über die Brücke einen Blick ins Wasser werfen, beschließen wir, daß wir das auf keinen Fall machen werden.
Entlang der Brücke und der Hafenmauer schwimmt jegliche Art von Müll, der von Arbeitern mit großen Netzen abgefischt wird. Wir schauen dem Treiben eine Weile zu und bemerken, wie ein Mann von einem der Boote, auf denen Fisch gegrillt wird, ungeniert seine Mülltüte ins Wasser wirft und sie der Arbeiter dann wieder herausholt.
Es muss nicht unbedingt Fisch sein, schließlich gibt es genügend Essensstände in den Straßen, wo wir andere Sachen zu essen bekommen.

Zum Beispiel die leckeren Sesamringe, die fester Bestandteil des Frühstücks während unserer Zeit in Istanbul werden. Wir nehmen uns mehrere davon mit, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Der Campingplatz liegt nur etwa 100 m von der sechsspurigen Straße entfernt im Garten eines Hotels. Trotzdem ist es relativ ruhig, weil er durch die Gebäude etwas abgeschirmt wird. Für uns ist es jedes Mal eine Wohltat nach dem Lärm und der Hektik in der Stadt, wenn wir wieder zurückkommen.

Bevor wir mit ausführlicheren Besichtigungen anfangen, legen wir gleich am Montag einen Behördentag ein. Wir brauchen noch ein Pakistan-Visum und das wollen wir uns in Istanbul besorgen. Leider ist das Konsulat nicht an der Stelle, wo es laut Stadtplan sein soll. Wir brauchen eine gute halbe Stunde, um es zu finden. Dann erklärt uns der Konsulatsbeamte, dass wir noch ein Empfehlungsschreiben unserer Botschaft bräuchten, bevor er uns die Visas geben kann. Also nehmen wir uns ein Taxi, besorgen uns bei der deutschen Botschaft ein entsprechendes Schreiben, fahren wieder zurück und dürfen endlich die Anträge ausfüllen. Es ist kurz vor der Mittagspause. Wir sollen am frühen Nachmittag wiederkommen, bis dahin hätte er alles erledigt, meint der Beamte.

Da wir hungrig sind, gehen wir zum Essen in ein nahegelegenes Lokal. Anschließend trinken wir noch Tee und endlich ist die Zeit da, zu der wir wieder kommen dürfen. Es dauert zwar dann immer noch fast zwei Stunden, bis wir Pässe samt Visa bekommen, doch wir sind froh, dass alles an einem Tag geklappt hat.

So können wir uns in den folgenden Tagen unbeschwert die Stadt anschauen. Bevor wir täglich am späten Vormittag losziehen, lassen wir Chicco eine Weile auf dem Platz herumspielen, damit er müde wird und schläft bis wir wiederkommen.

Bei unseren Ausflügen haben wir jetzt immer Stativ und einen großen Filmrucksack dabei. Dadurch ernten wir erstaunte Blicke und ziehen sog. “Schlepper” an. Aufgrund des großen Rucksacks vermuten sie Rucksacktouristen, die gerade angekommen sind und wollen uns zu einem Hotel bringen.

Beim Filmen selbst haben wir weiter keine Probleme. Wenn wir in den Bazargassen einen Laden oder Stand filmen wollen, fragen wir natürlich vorher. Die Leute sind Aufnahmen gegenüber gar nicht ablehnend eingestellt, ganz im Gegenteil. Wir bekommen oft noch Tee und dürfen Süßigkeiten probieren. Gerade im Ägyptischen Bazar gibt es eine riesige Auswahl an süßen Sachen. Und so bleibt es nicht nur beim Probieren. Wir legen uns gleich ein ganzes Sortiment an Naschwerk zu. Im Großen Bazar dagegen widerstehen wir allen angebotenen Souvenirs. Schließlich sind wir gerade erst ein paar Wochen unterwegs und wollen nicht jetzt schon damit anfangen, Pakete nach Hause zu schicken. Wir werden in den folgenden Ländern sicher noch vieles zu sehen bekommen und das Platzangebot im Unimog ist nun mal beschränkt. Da müssen wir schon sehr gut überlegen, was wir mitnehmen wollen. Zu kaufen gäbe es genügend: Lederkleidung, Antiquitäten, Teppiche und natürlich Schmuck. Es scheint, als ob die Hälfte des Bazars nur aus Juwelierläden bestehen würde.

Außerhalb des überdachten Bazars setzen sich unzählige Geschäfte und vor allem Handwerkerstände in den kleinen Gassen fort. Beim Durchschlendern stoßen wir auf eine kleine Moschee, die Rüstem-Pascha-Moschee. Der Eingang ist völlig unscheinbar und wir vergewissern uns bei Einheimischen, dass wir auch richtig sind. Es geht über eine Treppe in den ersten Stock, wo wir die Schuhe ausziehen und Sonja sich ein Kopftuch aufsetzt. Dann dürfen wir in die Moschee hinein. Sie wurde 1561 von dem legendären Architekten Sinan erbaut und zählt aufgrund ihrer Gestaltung und ihrer Innenausstattung mit zu den schönsten der Stadt. Wir sind die einzigen Besucher, nur ein Arbeiter ist damit beschäftigt, die Teppiche zu kehren. In Ruhe können wir uns umsehen und bewundern den Fliesenschmuck, der große Teile der Moschee bedeckt. Uns gefällt die kleine Moschee sehr, vor allem weil wir uns hier von dem Lärm des umgebenden Bazarviertels erholen können.
Weil wir einige der Sehenswürdigkeiten bereits von unserem ersten Besuch her kennen, müssen wir kein „Pflichtprogramm“ absolvieren.

Wir suchen uns nur ein paar Sachen aus, die uns besonders interessieren. Dazu gehört auch die Blaue Moschee. Sie war damals innen gerade eingerüstet und hat dadurch keinen besonders schönen Anblick geboten. Den Eingang zur Moschee können wir hier nicht verfehlen, wir gehen einfach den ganzen Reisegruppen hinterher. Wir müssen zwar auch die Schuhe ausziehen, doch mit Erstaunen sehen wir, dass Frauen nicht vorgeschrieben wird, ein Kopftuch aufzusetzen.

In der Moschee setzen wir uns erst einmal am Rand hin, um uns etwas umzusehen. Wir sind unsicher, ob wir mit der großen Kamera filmen dürfen. Klaus sucht sich deshalb eine Aufsichtsperson, bei der er nachfragt. Wir bekommen die Erlaubnis, worüber wir sehr froh sind. Die Moschee ist wirklich wunderschön geschmückt und sie gefällt uns auch. Doch die Atmosphäre leidet etwas unter den ganzen Besuchermassen. Wieder draußen machen wir eine Spende, die der Renovierung und dem Unterhalt dient. An der Moschee wird weiter gearbeitet, dieses Mal ist sie nämlich außen eingerüstet.

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Nach einer Woche in der Stadt sehnen wir uns nach Ruhe.
Wir verlassen Istanbul, überqueren die Bosporusbrücke und befinden uns damit in Asien. Auf der Autobahn geht es weiter bis Ankara und danach in den interessantesten Teil Anatoliens, nach Kappadokien. Im Dreieck zwischen Nevsehir, Kayseri und Yesilhisar liegt eine phantastische Mondlandschaft aus bizarr geformten Felswänden und aufragenden Tuffpyramiden. Auch hier waren wir schon einmal im Rahmen eines Jahresurlaubs.

Wir haben damals auf einem Campingplatz übernachtet, von wo aus wir einen prima Blick auf das Göreme-Tal hatten. Leider wissen wir den Namen nicht mehr. Es kommen aber nur zwei Plätze in Frage und wir wollen uns beide anschauen, bevor wir uns entscheiden. Eigentlich gefällt uns schon der erste, doch glücklicherweise fahren wir doch noch weiter. Finden wir doch unsere Freundin, die dort ihr Zelt aufgeschlagen hat. So früh hatten wir wirklich noch nicht mit einem Zusammentreffen Gerechnet. Das feiern wir natürlich mit einem guten Abendessen im Restaurant in Ortahisar. Es gibt bereits viel zu erzählen, obwohl es noch nicht ganz drei Wochen her ist, dass wir uns zuletzt gesehen haben. Sie hat schon ein paar Wanderungen gemacht und wenn wir nicht gekommen wären, wäre sie am nächsten Tag abgefahren. So verschiebt sie die Abreise, damit wir noch etwas gemeinsam unternehmen können.

Gleich am nächsten Tag wandern wir eine Schlucht entlang, wo es ein paar Felskirchen zu sehen gibt. Bereits in der Zeit vom 7. bis 9. Jahrhundert sind im Tal die ersten Kirchen entstanden. Wie auch die Höhlenwohnungen dienten sie den Leuten als Schutzfunktion vor feindlichen Überfällen. Gleichzeitig nutzten die Bewohner das Tuffmaterial als natürliche Isolierung. Die Gegend liegt auf über tausend Metern Höhe und während die Sommertage unerträglich heiß werden, ist es im Winter so kalt, dass es sogar Schnee gibt.

Auch jetzt, Anfang Oktober, sind die Nächte schon sehr kalt und sobald die Sonne untergeht, brauchen wir warme Kleidung. Tagsüber ist das Wetter ideal, wir haben blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein, gerade richtig zum Wandern. Die Bäume haben sich teilweise schon rot und gelb verfärbt und bieten einen wunderschönen Kontrast zum blauen Himmel und den Felsen, die je nach Gegend rosarot, ockerfarben oder grauweiß erscheinen. Wir unternehmen mehrere Wanderungen in verschiedenen Tälern und genießen noch einmal so richtig die ruhige Zeit.

Anschließend sind wieder einige Tage Fahrt angesagt und dabei sind unsere Übernachtungsplätze immer bei Tankstellen. Da geht es nicht mehr so ruhig zu. Doch dafür ist immer ein Restaurant mit dabei, und wir brauchen nicht selbst zu kochen.
Ein letzter Ausflug, bevor wir die Türkei verlassen, soll uns nach Dogubayzit führen. Der Ort ist ziemlich unscheinbar, doch es gibt zwei interessante Dinge in seiner Umgebung. Das erste ist der Ararat, der höchste Berg der Türkei. Ihn sehen wir bereits etliche Kilometer vorher. Nachdem wir um eine Kurve fahren, erkennen wir ihn sofort. Glücklicherweise ist der Gipfel wolkenfrei, nur unterhalb umgibt ihn ein schmaler Wolkenschleier.

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Der Anblick des Berges bleibt uns bis Dogubayzit erhalten. Erst als wir hinter dem Ort den Berg hinauf fahren, verschwindet er hinter einem Felsvorsprung. Wir sind auf dem Weg zum Ishak Pasa Palast. Diese Festung liegt auf ca. 2000 m Höhe auf einem Felsplateau.

Wir fahren sogar noch ein paar Meter weiter hinauf, zu einem Teehaus. Von dort aus genießen wir bei einem Tee einen grandiosen Ausblick über die ganze Ebene unter uns. Aufgrund diesen guten Überblicks ist der Palast damals gebaut worden. Von hier oben konnten die Karawanen der Händler kontrolliert und entsprechende Wegegelder einkassiert werden.

Wir übernachten etwas unterhalb des Palastes bei einem Bauernhof. Der Besitzer hat dort einen einfachen Campingplatz angelegt und uns schon beim Hinauffahren mit dem Versprechen einer heißen Dusche gelockt. Dass daraus am nächsten Morgen nichts wird ist Pech. Es gibt überhaupt kein Wasser, wir müßten eine Stunde warten, dann gäbe es vielleicht welches. Doch wir sind extra früh aufgestanden, weil wir heute die Grenze Türkei – Iran überqueren wollen. Da wollen wir uns nicht noch einmal auf ein Versprechen einlassen. Wir duschen also im Unimog und sind bereits kurz darauf unterwegs in Richtung Irhttps://www.auf-achse.tv/weltreise/indien/iran-oktober-november-2000/an.

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