Auf der indischen Seite ist sogar alles in einer halben Stunde erledigt. Wir müssen nur Papierkram erledigen, für Auto und Motorrad interessiert sich niemand.

Es sind zwei Tage Fahrt bis nach Agra. Da wollen wir uns das berühmteste Grabmal der Welt anschauen, das Taj Mahal. Zum Übernachten fahren wir in das Hotel Lauris. Das Hotel ist über 100 Jahre alt und hat sicher schon mal bessere Zeiten gesehen. Immerhin hängt im Aufenthaltsraum ein gerahmtes Dankesschreiben samt Foto der Königin von England, Queen Elizabeth II, aus dem Jahre 1961, worin dem Management für die gewährte Unterkunft gedankt wird. Jetzt sieht das Gebäude etwas renovierungsbedürftig aus, doch das gleichen die Angestellten mit ihrer Freundlichkeit wieder aus.

Wir bekommen einen schattigen Platz zum Parken, was bei 38°C (im Schatten) unbedingt notwendig ist. Für Dusche und Toilette können wir uns jederzeit einen Zimmerschlüssel geben lassen und so sind wir bestens versorgt. Die Haushälterin des Hotels (sie ist dort bereits seit 25 Jahren beschäftigt) nennt uns ein einheimisches Restaurant, in dem wir sehr gut und günstig essen. Beim Bestellen geben wir an, dass wir das Essen nicht so scharf wollen und das wird in der Küche auch berücksichtigt. Wir gehen jeden Tag zum Abendessen, denn bei den heißen Temperaturen wollen wir den Unimog durch das Kochen nicht noch zusätzlich aufheizen.

Weltreise Etappe Landweg nach Indien

Am nächsten Tag können wir das Taj Mahal noch nicht besichtigen.
Es ist ein Freitag und da ist es seit ein paar Monaten geschlossen. Ursprünglich war das montags der Fall und am Freitag konnte man kostenlos das Grabmal besichtigen. Doch weil die Verantwortlichen zu Beginn der Touristensaison im Herbst 2000 den Eintrittspreis verdoppelt und daraufhin die Touristen in Scharen den Freitag zur Besichtigung genutzt haben und an den anderen Tagen ausblieben, mußten sie sich etwas einfallen lassen. Kurzerhand haben sie deshalb den Schließungstag auf Freitag verlegt und montags geöffnet.

Am Freitag dürfen jetzt nur mehr moslemische Gläubige hinein, um zwischen 12 und 14 Uhr in der Moschee das traditionelle Freitagsgebet abzuhalten. Ein Einheimischer erzählt uns, dass dabei die Polizei alles abriegelt und aufpaßt, dass sich niemand zum Taj Mahal hin verirrt. Der Eintrittspreis beträgt für Einheimische 20 Rupies = 1,– DM, für Ausländer 960 Rupies = 48,– DM. Da fallen die 25 Rupies extra für die Benutzung der Videokamera schon gar nicht mehr ins Gewicht. Allerdings darf man sie nur ohne Stativ und nur am Eingangsbereich benutzen.

Das Taj Mahal ist davon noch an die 100 m entfernt. All das hält uns nicht davon ab, am Samstag morgen um viertel vor sechs als erste in einer Warteschlange am Kassenhäuschen zu stehen.

Punkt sechs Uhr gibt es die Tickets und erst dann wird das Tor in den Innenhof geöffnet. Er ist eigentlich nur ein riesiger Vorplatz und von dort aus führt ein weiteres Eingangstor in die Gartenanlage, die das Grabmal umgibt. Am Eingang gibt es eine Taschenkontrolle und ein Hinweisschild mit einer ganzen Liste, was man nicht mit hineinnehmen darf (u.a. Essen, Schirme, Stative, Zigaretten, Feuerzeug, Pan = Betelnuss, bei Indern besonders beliebt; der rote Saft, der beim Kauen entsteht, färbt die Zähne und wird überall hingespuckt). Das alles muß beim Aufbewahrungspersonal abgegeben werden. Bei ihnen lösen wir auch das Ticket für die Videokamera. Dann endlich sind wir soweit und durch das Haupteingangstor sehen wir endlich das Taj Mahal.

König Shah Jahan hat es für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal bauen lassen, nachdem sie bei der Geburt des 14. Kindes starb. Er wollte damit allen zeigen, wie sehr er sie geliebt hat. Nur die besten und teuersten Materialien waren gut genug für das Bauwerk und während der Bauzeit von 22 Jahren wurde der Staat dadurch fast in den Ruin getrieben. Das war mit ein Grund dafür, warum Shah Jahan von seinem Sohn Aurangzeb vom Thron gestürzt und für den Rest seines Lebens in das nahegelegene Rote Fort verbannt wurde. Nur von dort aus konnte er bis zu seinem Tod (acht Jahre später) sein Lebenswerk betrachten. Nach seinem Tod wurde er neben Mumtaz Mahal im Grabmal beerdigt. Seinen eigentlichen Plan, auf dem anderen Flußufer des Jamuna-Flusses das gleiche Grabmal in schwarz für sich zu bauen, hatte sein Sohn durch die Entmachtung verhindert.

Ein ganz leichter Morgennebel umgibt das Mausoleum und läßt es aus der Entfernung so strahlend weiß erscheinen, wie wir es von unzähligen Fotos her kennen. Für einen kurzen Moment ist alles friedlich und ruhig. Es dauert, bis die einzelnen Besucher kontrolliert werden, ein erstes Foto vom Eingang aus gemacht haben und sich dann auf den Weg zum Taj machen. Fast gleichzeitig mit dem Auftauchen der ersten Sonnenstrahlen füllen sich die Wege mit Menschen und der friedliche Moment ist vorbei. Leider ist der Wassergraben, in dem sich das Taj Mahal ansonsten spiegeln soll, leer. Wir gehen daran entlang auf das Mausoleum zu, das im Licht der aufgehenden Sonne nun eine eher beige Farbe annimmt. Beim Betreten des Innenraumes sehen wir im ersten Moment gar nichts, so dunkel ist es. Unsere Augen müssen sich erst an das diffuse Licht gewöhnen, das durch die filigran gearbeiteten Marmorfenster fällt.

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Die beiden Sarkophage sind von ebenfalls äußerst aufwendig durchbrochen gearbeiteten Marmorwänden umgeben. Wir bewundern die Arbeiten, vor allem die Verzierungen an den Wänden, bei denen Halbedelsteine in den Marmor eingelegt wurden. Diese Verzierungen finden sich auch außen wieder. Wir gehen einmal um das ganze Gebäude herum und werfen einen Blick auf den Jamuna-Fluß, der direkt dahinter entlang fließt. Dann schlendern wir über den Hauptweg zurück. Natürlich müssen auch wir die obligatorischen Fotos von der in der Mitte des Wassergrabens plazierten Plattform machen. Danach gehen wir noch eine Runde durch den Innenhof und nach gut eineinhalb Stunden ist unsere Besichtigungstour beendet. Von der Panorama-Terrasse eines nahegelegenen Hotels aus genießen wir bei einer Tasse Tee einen letzten Blick auf das Taj Mahal, bevor wir ins Hotel zurückfahren.

Am nächsten Tag fahren wir weiter. Die Autobahn von Agra nach Delhi ist die beste Straße des Landes. Sie ist vierspurig ausgebaut und in hervorragendem Zustand. So schnell sind wir schon lange nicht mehr vorangekommen. Delhi umfahren wir auf der Ring Road und treffen dann auf den National Highway Nr. 1, der zur Grenze Indien – Pakistan führt. Damit sind wir zum ersten Mal auf einer Straße unterwegs, die wir bereits in die Gegenrichtung benutzt haben. Das gibt uns irgendwie das Gefühl, auf der Rückreise zu sein.

Verstärkt wird das Gefühl noch in Amritsar, als wir ohne Probleme Mrs. Bandaris Guesthouse wieder finden. Die vor dem Tor wartenden Rikschafahrer erkennen uns gleich wieder und die Angestellten erkundigen sich sogar nach unserem Hund. Dieses Mal sind wir die einzigen Campinggäste. Das Wetter ist drückend schwül und heiß. Das macht besonders Sonja zu schaffen, weil sie leicht erhöhte Temperatur und Durchfall hat. Erst am zweiten Tag geht es ihr wieder besser, sodass wir abends noch einmal den Goldenen Tempel besuchen können.

Auch jetzt sind wir froh, dass ein Teil des Marmorbodens mit einem Teppich ausgelegt ist. War es im Dezember so kalt, dass wir ohne den Teppich nicht auf dem kalten Marmor laufen hätten können, ist der Boden jetzt von der Sonne so aufgeheizt, dass wir bei unserem Rundgang ebenfalls auf dem Teppich bleiben. Wieder ziehen uns die friedliche Atmosphäre und die auffallende Freundlichkeit der Menschen in ihren Bann und wir bleiben einige Stunden. Der Besuch des Tempels ist ein schöner Abschluß für unsere Reise durch Indien und macht gelegentlich negative Erfahrungen wieder wett.

Weltreise Etappe Landweg nach Indien - Klaus Schier

Für den Grenzübertritt am nächsten Tag sind wir eine Stunde zu früh an der indischen Grenze. Erst um 10 Uhr morgens wird das Tor geöffnet. Die Männer von der Paßbehörde kommen um viertel nach zehn und erst dann kann die Abfertigung beginnen. Außer uns sind noch zwei deutsche Fahrzeuge da, ansonsten nur ein paar Fußgänger. Nach eineinhalb Stunden ist der übliche Papierkram einschließlich Kontrolle des Fahrzeuges erledigt.

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