Ein paar türkische Lira haben wir zurückbehalten und wechseln sie in bulgarische Lewa um. Damit bezahlen wir die Desinfektion (= 7,– DM) und die Straßenbenutzungsgebühr (= 17,– DM). Gleich nach Verlassen des Grenzbereiches gibt es viele kleine Tankstellen, die billigen Diesel verkaufen (82 Pfennig/Liter).

Die Straße gleicht einem Flickenteppich und ist in einem ausgesprochen schlechten Zustand. Doch das soll sich ändern. Riesengroß verkünden Schilder von der Erneuerung und Bezahlung durch die EU (25 Mio DM).

Auf einem Lkw-Parkplatz verbringen wir die Nacht. Je später es wird, desto mehr junge Frauen treffen ein. Es ist offensichtlich, dass wir uns mitten auf dem Straßenstrich befinden. Nachts um ein Uhr, als wir bereits schlafen, klopfen zwei kichernde Prostituierte ans Auto und bieten ihre Dienste an. Bis Klaus schlaftrunken aus dem Fenster schaut, sind sie jedoch schon zum nächsten Lkw weitergegangen.

Bei der Fahrt durch das Land ist die Armut der Menschen offensichtlich. Die kleinen Ortschaften sehen verlassen aus, es sind hauptsächlich alte Leute zu sehen. Die Felder sind oft nicht bewirtschaftet. Die wenigen Autos auf der Straße sind alte Ostblock-Pkws der Marken Skoda, Wartburg, Trabant. Im krassen Gegensatz dazu stehen die großen Reklametafeln, auf denen junge, gutgekleidete Männer Werbung für Mobilfunktelefone machen. Ob sich davon die Männer auf ihren kleinen, von Pferden gezogenen Karren beeindrucken lassen, wagen wir zu bezweifeln.

Als wir auf der Umgehungsstraße an der Grenzstadt Ruse vorbeifahren, sehen wir die heruntergekommenen Wohnblöcke in Plattenbauweise. Auch hier stehen alle paar Meter Prostituierte und winken den Lkw-Fahrern.
Die Überquerung der Donau auf der Brücke, die die Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien bildet, kostet uns 16,– DM. Paß- und Zollkontrolle bei der Ausreise sind schnell erledigt.

Erste Station auf der rumänischen Seite ist die Desinfektion. Die Gebühr dafür ist fahrzeugabhängig. Wir sollen den gleichen Tarif bezahlen wie die Lkws, die zwei mal so groß sind wie wir, und zwar 32,– DM. Das sehen wir nicht ein und nach zähen Verhandlungen gelingt es Klaus, die Beamten auf 12,– DM herunterzuhandeln.
Seit März diesen Jahres braucht man kein Visum mehr für Rumänien, wir bekommen einen Einreisestempel ohne Aufenthaltsbegrenzung. Bei der Paß- und Zollkontrolle werden wir schnell abgefertigt.
Danach sind wieder Verhandlungen angesagt, denn Rumänien erhebt eine Ökologie-Steuer bei der Durchreise und sie ist fahrzeugabhängig. Automatisch verlangen die Beamten den Lkw-Tarif, obwohl wir ein Wohnmobil sind. Wir bezahlen auch hier den niedrigeren Tarif (= 15,– DM).

Nicht nur die Straßen sind in Rumänien besser. Hier gehören zwar Pferdekarren auch noch zum normalen Anblick im Straßenverkehr. Doch daneben sind alle gängigen Automarken zu sehen. Die Felder sind bewirtschaftet, in den Orten sieht es gepflegt und ordentlich aus. Wir fahren durch die Karpaten und übernachten in Brasov, dem ehemaligen Kronstadt, der größten Stadt Siebenbürgens.
In Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt und Zentrum der Siebenbürgen Sachsen, bummeln wir durch die Fußgängerzone in der Altstadt. Mit ihrer Kirche und den hohen Patrizierhäusern gleicht sie einer deutschen Kleinstadt. Es gibt kleine Einzelhandelsgeschäfte und Bäckereien. Zum ersten Mal sehen wir wieder Metzgereien, woraufhin sich Klaus gleich verschiedene Wurstsorten mitnimmt. An einem kleinen Stand gibt es auch noch Brezen und unser Abendessen gleicht damit seit langem wieder einmal einer richtigen “bayerischen Brotzeit”.

Am nächsten Tag sind wir an der rumänisch-ungarischen Grenze. Die Rumänen machen gründliche Fahrzeugkontrollen und lassen an den Pkws so ziemlich alles ausräumen. Wir haben Glück und ein Beamter schaut sich unser Fahrzeug an, gibt sich aber mit einer relativ oberflächlichen Kontrolle zufrieden.

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