Weltreise Etappe Afrika – Vorschau – Sambia

Landkarte NamibiaLandkarte Sambia

Die ersten Tage nach unserer Ankunft in Windhoek vergehen wie immer: Entspannen auf dem Campingplatz, Fahrzeug durchschauen, organisieren der bevorstehenden Reise, Einkäufe im Supermarkt. Jetzt im April geht die Regenzeit zu Ende, es gibt nur noch gelegentlich ein paar Schauer.

Das eigentliche Ziel dieser Reise ist Sambia. Auf dem Weg dahin stoppen wir hauptsächlich bei Campingplätzen, die wir schon kennen und von denen wir wissen, dass es uns dort besonders gut gefällt. Dabei sind wir nicht in Eile, sondern gehen das Ganze recht entspannt an. Es ist sehr wenig Verkehr und es sind kaum Touristen unterwegs. Wir verbringen ein paar Tage im Caprivi-Streifen und auf der Mobola Island Lodge übernachten wir auf unserem Lieblingsstellplatz direkt am Okavango-Fluss. Sowohl Sonnenaufgang als auch -untergang hier sind einfach herrlich.

Morgens liegt feiner Dunst über dem Fluss, wenn die Sonne aufgeht. Die Vögel veranstalten ein Morgenkonzert und in dieser entspannten Stimmung genießen wir unser Frühstück am Okavango mit Blick auf eine üppige Pflanzenwelt.

Am Abend gehen wir dann auf die kleine Insel, die zur Lodge gehört. Über eine bleuchtete Hängebrücke geht es hinüber zu einer Plattform am Fluss. Der Besitzer hat die Bar direkt oberhalb des Okavango errichtet und von hier aus genießt man einen ruhigen und farbenfrohen Sonnenuntergang mit Blick ins Nachbarland Angola.

Zwei Tage später stehen wir an der Grenze Namibia-Sambia. Sowohl Ausreise aus Namibia als auch die Einreise nach Sambia gestalten sich einfacher als erwartet. Entgegen unserer Befürchtungen verläuft alles sehr korrekt. Gerade bei der Einreise nach Sambia sind viele Leute da, doch nach knapp zwei Stunden haben wir beide Abfertigungen hinter uns und können den Zollhof verlassen.

Der Campingplatz an diesem Tag liegt wieder an einem Fluss, dieses Mal jedoch am Sambesi. Er ist der viertgrößte Fluss Afrikas und mündet in den Indischen Ozean. In Sambia ist im April noch Regenzeit  und jetzt hat der Sambesi besonders viel Wasser. Der Fluss entspringt im Westen des Landes und bei Hochwasser überschwemmt er riesige Gebiete in der Region um die Provinzhauptstadt Mongu. In diesen Barotse-Ebenen liegt auch der Palast des Lozi-Königs, der bei Hochwasser regelmäßig davon betroffen ist.

In einer groß angelegten Zeremonie zieht deshalb der König, der hier auch Litunga genannt wird, vom Tieflandpalast in den Hochlandpalast. Die Zeremonie heißt in der Sprache der Lozi Kuomboka, was so viel bedeutet wie: Aus dem Wasser kommen. Wir haben von der Kuomboka gelesen und wollen uns dieses Fest, das zu einem der größten im südlichen Afrika gehört, anschauen.

Der genaue Termin wird relativ kurzfristig anberaumt und als wir in Mongu sind erfahren wir, dass das Fest erst in zwei Wochen stattfinden wird. Deshalb planen wir um und machen erst noch eine kurze  Rundfahrt durch Sambia.

Im Kafue Nationalpark liegt der Campingplatz direkt am Kafue-Fluss. Er ist einer der grössten Flüsse des Landes und mündet nach knapp 1000 km Länge in den Sambesi. Wir hören die Flusspferde rufen und bekommen einen farbenprächtigen Sonnenuntergang direkt über dem Wasser zu sehen.

Das Camp hat keinen Stromanschluss, nachts ist es total dunkel. Dadurch können wir den klaren Sternenhimmel mit der Milchstraße super beobachten.

Noch während wir am nächsten Morgen frühstücken, macht uns der Campingplatzbesitzer auf zwei Elefanten aufmerksam, die am Waldrand zu sehen sind.

Die Weiterfahrt nach Lusaka geht besser als die letzten Tage. Die Straße war übersät mit Schlaglöchern, was ein Vorankommen sehr mühsam machte. Heute dagegen ist fast alles ausgebessert und bereits am frühen Nachmittag erreichen wir Lusaka, die Hauptstadt Sambias.

Wir erreichen die Stadt über ein Industriegebiet im Westen. Interessanterweise sehen wir an vielen Firmen chinesische Schriftzeichen. Begonnen hat die chinesische Wirtschaftsoffensive in Afrika vor etwa 20 Jahren, weil es hier reiche Rohstoffvorkommen gibt. Inzwischen bauen Chinesen Flughäfen, Ölraffinierien, Staudämme, Krankenhäuser, Einkaufszentren und Straßenverbindungen. Auch Telekommunikation und Textilbranche ist oft schon in chinesischer Hand. Die Einheimischen sehen darin nicht immer einen Vorteil, obwohl durch große Bauprojekte viele von ihnen Arbeit finden. Die Chinesen bleiben untereinander, den großen Firmen folgen Privatunternehmer, die Geschäfte und Restaurants aufbauen und dort geben die chinesischen Landsleute dann ihr Geld aus, anstatt die afrikanische Privatwirtschaft zu unterstützen.

Auf der berühmten Cairo Road, der Hauptverkehrsader, fahren wir durch Lusaka. Ihren Namen hat die Straße von Cecil Rhodes, ehemaliger Premierminister der Kapkolonie, der davon träumte, vom Kap der Guten Hoffnung bis nach Kairo eine durchgehende Straßenverbindung zu schaffen und die britischen Kolonien in Afrika zu verbinden.  Banken, Hotels, Hochhäuser, große Shopping Malls – für uns steht Lusaka im krassen Gegensatz zu der doch eher überschaubaren Hauptstadt Namibias, Windhoek.

Auf dem Campingplatz am Stadtrand gefällt es uns sehr gut. Es gibt Zebras, Giraffen, Meerkatzen und Springböcke und der Platz liegt mitten unter hohen Bäumen und für einen Stadtcamping ist es relativ ruhig. Inzwischen haben wir uns so an die hohen Tagestemperaturen von über 35 Grad gewöhnt, dass uns die 20 Grad am Abend schon richtig “kalt” vorkommen. Am nächsten Tag ist es dann  nur eine Tagesfahrt bis nach Livingstone, wo wir erneut auf den Sambesi-Fluss treffen.

Mosi-oa-Tunya nennen die Einheimischen die Wasserfälle, die sich auf knapp 2 Kilometern bis zu 120 m in die Tiefe stürzen. Victoriafälle dagegen hat sie der legendäre britische Afrikareisende David Livingstone zu Ehren der damaligen britischen Königin genannt. Er gilt als der erste Europäer, der die Wasserfälle mit eigenen Augen gesehen hat.

Da Hochwasser ist, sehen wir die Gischt der Wasserfälle bereits von der Stadt Livingstone aus. Doch bevor wir uns die Fälle aus der Nähe ansehen, quartieren wir uns auf einem Campingplatz ein und buchen dann einen Helikopterflug. Flüge über die Wasserfälle gehören einfach zum Touristen.Pflichtprogramm. Man kann zwischen Helikopterflügen und Microlight-Flugzeugen wählen.

Wir entscheiden uns für den Hubschrauber-Flug und zwar in einer längeren Variante.Sie beinhaltet noch einen Flug durch die Schlucht. Das hört sich interessant an und ist am Ende dann so spektakulär, dass wir gar nicht wissen, was besser ist. Die Sicht auf die Victoriafälle von oben oder der Flug knapp über dem Wasser, bei dem der Pilot den Windungen des Sambesi folgt und wir das Gefühl haben, dass die Rotorblätter bald gegen die Seitenwände der Schlucht treffen.

Beides ist auf jeden Fall gigantisch und glücklicherweise auf Film und Foto festgehalten, sodass wir uns die Bilder immer wieder ansehen können.

Für die Besichtung der Wasserfälle haben wir uns extra Regenponchos mitgenommen, doch trotz Umhang werden wir komplett durchnässt. Die Wassermassen auf der Knife-Edge-Bridge sind wie ein heftiger Gewitterregen und erschweren die Sicht auf die Wasserfälle. Besser ist es beim Weg zu den östlichen Stromschnellen. Hier haben wir schöne Ausblicke, überspannt von einem farbigen Regenboen.

Die Luft ist warm und es dauert nicht lange, bis wir wieder trocken sind. Auf dem Photographic Trail ist auch wenig Gischt, wir sehen die Victoria-Falls-Brücke, von der gerade jemand einen Bungee-Sprung in die Tiefe macht.

Wir dagegen machen uns auf den Rückweg und stoppen außerhalb des Nationalparks noch an einem Aussichtspunkt auf den Sambesi.

Es ist an der Zeit für die Weiterfahrt, damit wir rechtzeitig zur Kuomboka in Mongu sind. Wir campen wieder bei einem Guesthouse, das zu einer Kirche gehört und hier steigen viele Besucher ab, die ebenfalls zu der Zeremonie wollen.

Das Fest dauert mehrere Tage, wobei der Höhepunkt die Fahrt des Königs zu seinem Hochlandpalast. Er ist dabei in einem schwarz-weißen Holzboot unterwegs, das von mehr als 100 Paddlern angetrieben wird. Dabei begleiten ihn alle Menschen, die an diesem Tag ein Boot bekommen haben. Die Fahrt zieht sich über mehrere Stunden hin, es ist eine riesige Prozession auf dem überschwemmten Sambesi.

Wir organisieren uns bereits Tage vorher ein Boot, das uns hinaus zum Tieflandpalast fährt. Es gibt zwar inzwischen auch eine Teerstraße dorthin, aber eine Bootsfahrt gehört an diesem Tag unbedingt dazu. Früh morgens sind wir am Hafen und  kurz nach Sonnenaufgang geht es los und wir werden hinausgerudert. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und außer uns ist um diese Zeit kaum jemand unterwegs. Das ändert sich jedoch schnell. In der Nähe des Tieflandpalastes versammeln sich immer mehr Menschen, wobei wir als Touristen ziemlich auffallen. In erster Linie sind Einheimische da, die sich für die Zeremonie interessieren. Angestellte tragen nach und nach Möbel und persönliche Sachen des Königs ins Boot, die Paddler versammeln sich und wir dürfen auch alles filmen und fotografieren. Das ist eine Ausnahme, denn außerhalb der Kuomboka ist man da schon etwas abweisender.

Als der König dann endlich auf dem Weg zum Boot ist, ist das Gelände übervoll, tausende von Zuschauern sind zu Land und auf Booten unterwegs. Und nachdem das Königsboot abgelegt hat, folgen wir ihm zusammen mit anderen noch eine Weile. Unser Bootsführer würde am liebsten gleich bis nach Limulunga paddeln, doch wir halten ihn zurück. Uns ist die mehrstündige Fahrt in der prallen Sonne zuviel. Wir lassen uns nach Mongu fahren und gehen zurück auf den Camping.

Die Ankunft des Lozi-Königs wird live im Fernsehen übertragen und zusammen mit den Angestellten schauen wir sie uns an.

Erst tags darauf fahren wir nach Limulunga, es finden noch Tanzveranstaltungen und ein großer Markt statt.

Am nächsten Tag fahren wir zurück an die Grenze Sambia-Namibia. Auch in dieser Reihenfolge ist der Grenzübertritt unproblematisch, sodass wir bereits am frühen Nachmittag wieder in der Grenzstadt Katima Mulilo auf dem Campingplatz sind.

In den kommenden Tagen fahren wir langsam zurück durch den Caprivistreifen und weiter südlich bis kurz vor Grootfontein. Hier machen wir einen Ausflug zum Living-Museum der San. In Namibia gibt es mehrere “Lebende Museen”, deren Ziel es ist, dass sich die Volksstämme weiterhin mit ihrer traditionellen Kultur beschäftigen und bewahren. Außerdem soll es den Menschen so möglich sein, sich Einkommensmöglichkeiten zu beschaffen.

Deshalb gibt es festgelegte Preise für spezielle Veranstaltungen und Zeremonien, an denen man teilnehmen kann. Bei der Ankunft im Living Museum der San hören wir zum ersten Mal von diesem Preis-Leistungs-Katalog und sind davon zwar überrascht, aber eigentlich ist es eine gute Idee. Denn so kann man tatsächlich etwas von den Menschen erfahren und ihre Lebensbedingungen sehen, ohne ihre Privatsphäre zu stören.

Unser Führer heisst Henry, spricht gut englisch und erzählt uns vom Leben der San, als sie noch frei im Land umherstreifen konnten.

Wir bekommen vorgeführt, wie man Feuer machte, wie die Männger auf die Jagd gingen und die Frauen im Dorf Schmuck herstellten. Leider ist unsere Zeit dieses Mal sehr beschränkt, aber wir nehmen uns vor, beim nächsten Namibia-Aufenthalt wieder vorbeizuschauen.

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